Spaß am Musizieren steht ganz obenan

Die Wiesbadener Taunusmusikanten begeistern mit Lebendigkeit und Spielwitz

Wenn die Wiesbadener Taunusmusikanten auf der Bühne stehen, werden aus zwei Stunden mal ganz schnell vier. Denn sie verbinden Qualität und Anspruch derart begeisternd mit Lebendigkeit und Spielwitz, dass die Zuhörer sich die Hände beinahe wund klatschen und die Musiker partout nicht gehen lassen wollen.

Von Birgit Weidner

Dies hätten sie auf dem Wallauer Feuerwehrfest (Anmerkung durch die Taunusmusikanten: Es war das Feuerwehrfest in Oberwalluf) erlebt, erzählt der musikalische Leiter und zweite Vorsitzende, Karsten Schindler, sehr angetan. Das sei ein tolles Gefühl gewesen. Oder kürzlich auf dem Wiesbadener Sternschnuppenmarkt. Da hätten sie es doch tatsächlich mit Weihnachtsliedern geschafft, die Zuhörer zu Zugabe-Rufen zu bringen. Ob es auch an den Elchgeweihen und Adventskränzen auf dem Kopf lag? Könnte sein, denn auch dies ist Ausdruck ihrer Freude an der Musik.
Denn bei den 1975 gegründeten Taunusmusikanten, die aus dem Orchester der früheren Freiwilligen Feuerwehr Nordenstadt hervorgingen, stehe der Spaß an der Musik an erster Stelle, nicht die Pflicht. Auch wird nicht einfach nur vom Blatt gespielt. Nein, bei ihnen würde man lernen, betont Schindler, wie man Musik mache. Dazu gehöre das Erlernen von Noten, der Atemtechnik, der Rhythmik, einfach alles. Ausbildung werde ganz groß geschrieben, Nachwuchssorgen habe der 100 Mitglieder starke Verein – davon 36 Aktive im Alter von elf bis 75 – keine, Verstärkung bei Tuba, Posaune oder Tenorhorn würde dennoch gerne gesehen. Immerhin zehn junge Leute erlernten gerade Trompete, Klarinette oder Saxofon. Mindestens zwei Jahre lang erhielten sie qualifizierten Gruppenunterricht, bevor sie im Orchester mitspielen.
Aber auch die älteren Musiker drücken noch die „Notenbank“ in Sachen Weiterbildung. Externe Ausbilder, Workshops, das jährliche Probenwochenende, ganz neu die Marschproben oder auch die wöchentlichen Proben im Delkenheimer Bürgerhaus sorgen dafür, dass die Musiker nicht auf dem derzeitigen Stand stehen blieben, gibt der 27-jährige Dirigent preis. Da kommt wohl auch etwas der Lehrer durch, denn Karsten Schindler studiert in Frankfurt Musik und Sport fürs Lehramt.
Was ihm Musik bedeute? Sie sei ein riesengroßer Ausdruck von Gefühlen. Und das Schöne als Dirigent sei, dass man sich selbst wünschen könne, wie ein Musikstück klingen soll. Man könne es selbst gestalten, könne das Notenwerk zu seinem Stück machen. Und das 95 Stücke umfassende Repertoire ist vielseitig. Bei Rock, Dixie, Schlager, Swing, Balladen, Spanischem, Polka, Marsch, Walzer, Tango, Weihnachtlichem und Kirmes-Liedern bleiben wohl keine Musikwünsche offen, 20 bis 25 bezahlte Auftritte jährlich sprechen für sich. Außerdem sorgen sie bei Kerben für Stimmung, treten bei der Fastnacht auf, bei Hochzeiten, kirchlichen Feierlichkeiten oder spielen Ständchen. „Gänsehaut pur“, so Schindler, sei auch das Konzert im Erbenheimer Bürgerhaus zum 30-jährigen Vereinsbestehen gewesen. Eigens wegen ihnen seien die Zuhörer gekommen, also keine Musikuntermalung. Bei „Don´t cry for me Argentina“ hätten über 80 Leute auf der Bühne gestanden. Unvorstellbar, dass die Taunusmusikanten schon mal am Boden lagen.
Doch im Jahre 2000 gab es den großen Crash, erinnert sich Schindler. Der halbe Vorstand trat zurück, sieben aktive Musiker blieben übrig. Sie zogen sich komplett zurück, um dann zwei Jahre später unter Schindlers Zepter und mit entrümpeltem Repertoire den Siegeszug anzutreten. Auch intern. Die freundschaftliche Vereins-Atmosphäre habe schon Ehen und Freunde gestiftet, man treffe sich auch außerhalb der Proben und löse schon mal gemeinsam das Rätsel des seltsamen Tenorhorn-Klanges. Instrument umgedreht – und heraus schneite das Konfetti.

Artikel erschien im „Wiesbadener Tagblatt“ am 28.12.2007.
Text: Birgit Weider, Fotos: Uwe Stotz